Die jüngste Eskalation im Nahen Osten hat die Aufmerksamkeit vieler Marktteilnehmer erneut auf eine der wichtigsten maritimen Handelsrouten der Welt gelenkt: die Strasse von Hormus. Täglich werden durch diese Meerenge rund 20 Millionen Barrel Erdöl transportiert – etwa 20 % des weltweiten seebasierten Ölhandels. Zusätzlich passieren rund 20 % des globalen LNG-Handels diese Route.
Entsprechend sensibel reagieren die Energiemärkte auf mögliche Störungen in dieser Region. Neben der energiepolitischen Dimension gibt es jedoch mehrere strukturelle Aspekte, die in der öffentlichen Diskussion häufig weniger Beachtung finden, jedoch ebenfalls wirtschaftliche Relevanz besitzen.
Lebensmittelversorgung
Viele Staaten am Persischen Golf verfügen aufgrund klimatischer und geografischer Bedingungen nur über begrenzte landwirtschaftliche Produktionsmöglichkeiten. Entsprechend hoch ist die Abhängigkeit von Lebensmittelimporten.
Ein erheblicher Teil dieser Lieferungen erfolgt über Seewege im Umfeld der Strasse von Hormus. Eine länger anhaltende Störung der Schifffahrtsrouten könnte daher nicht nur Auswirkungen auf die Energiemärkte haben, sondern auch die Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln in der Region beeinflussen.
Wasser als kritischer Faktor
Die Golfstaaten zählen zu den wasserärmsten Regionen der Welt. Ein grosser Teil der Trinkwasserversorgung wird deshalb durch Meerwasser-Entsalzungsanlagen sichergestellt.
Diese Anlagen sind energieintensiv und machen die Wasserversorgung stark von einer stabilen Energieversorgung abhängig. In geopolitisch angespannten Situationen kann diese enge Verbindung zusätzliche Risiken schaffen, insbesondere wenn Energieinfrastruktur oder Transportwege beeinträchtigt werden.
Finanzielle Bedeutung der Region
Die umfangreichen Öl- und Gasexporte der Golfstaaten bilden eine zentrale Grundlage des sogenannten Petrodollar-Systems. Ein grosser Teil der daraus resultierenden Einnahmen wird über Staatsfonds und internationale Finanzmärkte wieder in die globale Wirtschaft investiert.
Störungen der Energieexporte können daher nicht nur Auswirkungen auf Rohstoffpreise haben, sondern auch internationale Kapitalströme und Finanzmärkte beeinflussen.
Auswirkungen entlang der Lieferkette
Geopolitische Spannungen wirken sich nicht ausschliesslich über steigende Rohölpreise aus. Auch entlang der gesamten Lieferkette können zusätzliche Kosten entstehen.
Dazu zählen unter anderem höhere Versicherungsprämien für Tanker, steigende Transportkosten sowie Risikozuschläge für Besatzungen, die in potenziellen Konfliktzonen operieren. Gleichzeitig können Finanzierungskosten steigen, da Banken in unsicheren Phasen höhere Margen verlangen. Hinzu kommt, dass viele Staaten beginnen, ihre strategischen Energiereserven aufzufüllen, was zusätzliche Nachfrage erzeugen kann.
Diese Faktoren können dazu führen, dass sich Endprodukte wie Heizöl oder Benzin stärker verteuern, als es allein durch den Anstieg des Rohölpreises erklärbar wäre.
Einordnung
Vor diesem Hintergrund verfolgen wir die geopolitischen Entwicklungen und ihre möglichen wirtschaftlichen Auswirkungen sehr aufmerksam. Gleichzeitig analysieren wir laufend potenzielle Konsequenzen für Energiepreise, Lieferketten und Kapitalmärkte.
In einem der nächsten Investment Updates werden wir zudem aufzeigen, wie wir vor diesem Hintergrund die verschiedenen Portfolios positioniert haben und welche Massnahmen wir im Rahmen unseres Risikomanagements getroffen haben.
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