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Am 28. Februar 2026 starteten die USA und Israel koordinierte Luftangriffe auf Iran unter dem Codenamen «Operation Epic Fury», mit dem erklärten Ziel eines Regimewechsels in Teheran. Der Konflikt weitete sich rasch auf die gesamte Region aus und hat nun den ersten Monat andauernder Kampfhandlungen erreicht.

Die militärische Realität ist ernüchternd: Keiner der Akteure ist in der Lage, diesen Krieg im klassischen Sinne zu «gewinnen». Die USA und Israel verfügen über überlegene Luftschlagkapazitäten – aber kein Luftkrieg allein kann einen politischen Wandel in einem Land mit über 90 Millionen Einwohnern herbeiführen.

Irans Stärke liegt in einer jahrzehntelang aufgebauten asymmetrischen Kriegsstrategie. Statt auf konventionelle Streitkräfte hat Teheran massiv in ein Netzwerk regionaler Proxy-Gruppen investiert: Hisbollah im Libanon, schiitische Milizen im Irak, Hamas und Islamischer Jihad in Gaza sowie die Houthis im Jemen.

Kostenasymmetrie – Kalkuliertes Kalkül
Eine Shahed-Drohne kostet Iran zwischen 20’000 und 50’000 US-Dollar in der Produktion.
Das amerikanische Patriot-Abfangsystem verschiesst pro Abschuss Raketen im Wert von rund 4 Millionen US-Dollar – THAAD Raketen kosten über 10 Millionen US-Dollar.
Diese Kosteninversion ist kein Zufall, sondern Kalkül.

Irans Verteidigungsdoktrin basiert auf dem Prinzip der «Mosaic Defense»: Dezentrale, semi-autonome IRGC-Einheiten operieren weitgehend unabhängig und sind durch Enthauptungsschläge kaum lahmzulegen. Iran kann den Krieg verlängern, den wirtschaftlichen Schaden auf die Weltmärkte exportieren und den Preis für die Gegenseite erhöhen – ohne die eigene Niederlage erklären zu müssen.

Irak als zweite Front: Schiitische Milizen greifen US-Einheiten an
Seit Ende Februar wurden über 500 Angriffe gegen Ziele im Irak oder von irakischem Territorium aus gegen regionale Akteure verzeichnet. Die Mehrheit wird schiitischen Milizen zugeschrieben, die mit Iran verbündet sind.

Ein dauerhafter militärischer Sieg scheint für keine Seite erreichbar.

Die diplomatische Lage ist noch fragiler, als die öffentliche Kommunikation vermuten lässt. Trump hatte angekündigt, geplante Angriffe auf iranische Energieinfrastruktur um 10 Tage zu verschieben – bis zum 6. April – und die laufenden Verhandlungen als «sehr gut verlaufend» bezeichnet. Iranische Behörden wiesen diese Darstellung umgehend zurück, bezeichneten Washingtons Vorschläge als «einseitig und unfair» und legten eigene Bedingungen vor, darunter Kriegsreparationen und die Anerkennung der iranischen Kontrolle über die Strasse von Hormus.

Was dann folgte, spricht für sich: In der Nacht auf Samstag bombardierten die USA und Israel zwei der grössten iranischen Stahlwerke sowie Nuklearanlagen, darunter den Schwerwasserkomplex in Arak und eine Uranaufbereitungsanlage in Yazd. Iran drohte daraufhin mit Vergeltungsschlägen auf Stahlwerke in Saudi-Arabien, den VAE, Katar, Kuwait, Bahrain und Israel.

Unsere Einschätzung
Sind Angriffe auf zivile Industrieinfrastruktur und Nuklearanlagen – während gleichzeitig Verhandlungen angekündigt werden – vertrauensbildende Massnahmen?

Im Moment gibt es keine substanziellen diplomatischen Gespräche.

Prof. Robert Pape, University of Chicago
Prof. Robert Pape ist einer der führenden Experten für Luftkriegsstrategie und hat das Pentagon sowie mehrere US-Administrationen über Jahrzehnte in Fragen der nationalen Sicherheit beraten.

Pape beschreibt den «Escalation Trap» als jene Dynamik, bei der taktische Erfolge Entscheidungsträger dazu verleiten, die Gegenwehr des Feindes systematisch zu unterschätzen. Präzisionsbomben treffen zuverlässig ihre Ziele – doch das Ziel ist nicht das Zerstören von Objekten, sondern die Veränderung der Politik des Gegners. Gerade diese Lücke zwischen militärischem Erfolg und politischem Ergebnis treibt Kriege in die Eskalation.

Pape beschreibt drei Stufen des Traps:

  • Überzeugung, Eskalationsdominanz zu besitzen
  • Glaube, die Eskalation kontrollieren zu können
  • Entgleiten des Krieges aus der Kontrolle seiner Urheber

Eine Bodenoperation als dritte Stufe hätte nicht nur für die direkt beteiligten Parteien, sondern für die gesamte Weltwirtschaft katastrophale Folgen.

Weiteres Eskalationspotenzial: Der Pakistan-Faktor
Ein oft unterschätztes Risiko in der aktuellen Krise ist die Rolle Pakistans. Iran und Pakistan unterhalten traditionell enge Beziehungen. Gleichzeitig existiert seit September 2025 ein neues, gewichtiges Gegengewicht: Am 17. September 2025 unterzeichneten Saudi-Arabien und Pakistan den «Strategic Mutual Defence Agreement» (SMDA) – einen gegenseitigen Verteidigungspakt, der jede Aggression gegen einen der beiden Staaten als Aggression gegen beide wertet.

Kritischer Faktor: Pakistan
Pakistan ist eine Atommacht.
Der SMDA wirft die Frage auf, ob Saudi-Arabien damit implizit unter einem nuklearen Schutzschirm steht.
Pakistan steht potenziell gleichzeitig in traditionellen Beziehungen zu Iran und in einem formellen Verteidigungsbündnis mit Saudi-Arabien.
Das Eskalationspotenzial dieses Spannungsfeldes wird an den Märkten bisher kaum eingepreist.

Die Houthis greifen Israel an – ein neuer Kriegsakteur betritt die Bühne
Am frühen Morgen des 28. März 2026 feuerten die Houthis aus dem Jemen eine Salve ballistischer Raketen auf Israel ab – ihr erster direkter Angriff seit Beginn des US-israelischen Krieges gegen Iran. Sprecher Yahya Saree erklärte, die Operationen würden fortgesetzt, «bis die erklärten Ziele erreicht sind».

Die Houthis sind militärisch stärker als weithin angenommen. Nach UN-Schätzungen verfügen sie über bis zu 350’000 Kämpfer. Damit sind sie zahlenmässig grösser als viele reguläre Armeen der Region. Sie verfügen über ballistische Raketen mit einer Reichweite von bis zu 2’000 km und Angriffsdrohnen mit bis zu 2’500 km Reichweite – womit Israel aus dem Jemen direkt erreichbar ist. Ihr Arsenal umfasst iranisch-basierte Langstreckenraketen der Toufan- und Quds-Serie, Anti-Schiff-Raketen sowie unbemannte Kampfboote für maritime Operationen. US-Verteidigungsexperten stellen den Houthis ein bemerkenswertes Zeugnis aus: «Sie iterieren und sind ziemlich innovativ – unsere Einschätzung ist, dass ein Grossteil der Produktion tatsächlich im Jemen stattfindet.»

Das strategisch bedeutsamste Risiko liegt jedoch nicht in den Raketenangriffen auf Israel selbst. Houthi-Vizeminister Mohammed Mansour erklärte explizit: «Die Schliessung der Bab el-Mandeb-Strasse ist eine unserer Optionen.» Analysten warnen, dass die Houthis diesen Schritt nutzen könnten, um Irans Verhandlungsposition zu stärken und gleichzeitig die globalen Energiemärkte weiter unter Druck zu setzen. Sollte dies eintreten, wären beide grossen Seehandelsrouten des Mittleren Ostens – Hormusstrasse und Bab el-Mandeb – gleichzeitig blockiert: ein in der modernen Geschichte bisher einmaliges Szenario mit Konsequenzen für Energieversorgung, Lieferketten und Finanzmärkte weltweit.

Neben den direkten militärischen und geopolitischen Risiken zeichnet sich ein strukturelles Finanzmarktrisiko ab, das in der breiten Öffentlichkeit noch wenig Beachtung findet: der drohende Petrodollar-Stress.

Die Schliessung der Strasse von Hormus hat zu einem systemischen Zusammenbruch des wirtschaftlichen Modells der Golfstaaten geführt. Die kollektive Ölproduktion von Kuwait, Irak, Saudi-Arabien und den VAE ist bis Mitte März um mindestens 10 Millionen Barrel pro Tag eingebrochen. Hinzu kommen der vollständige Ausfall der LNG-Exporte Katars sowie ein massiver Einbruch der Tourismuseinnahmen.

Das Petrodollar-System – seit 1974 das Fundament der globalen Dollardominanz – funktioniert vereinfacht so: Öl wird in US-Dollar abgerechnet, die Exporterlöse der Golfstaaten fliessen in USD-Anlagen: z.B.US-Treasuries, Private Debt, Aktien und Immobilien. Dieser Kreislauf finanziert zu einem bedeutenden Teil die US-Staatsverschuldung, die inzwischen 39 Billionen US-Dollar übersteigt, mit jährlichen Zinszahlungen von über 1 Billion Dollar.

Was passiert nun, wenn die Exporteinnahmen der GCC-Staaten einbrechen?

  • Zunächst fliesst weniger frisches Kapital in USD-Anlagen
  • In einem zweiten Schritt müssen Golfstaaten möglicherweise bestehende USD-Positionen liquidieren
  • Iran verlangt von Tankern Zahlungen in chinesischem Yuan – eine direkte Herausforderung der Dollardominanz

Sollten GCC-Staaten beginnen, US-Treasuries oder Aktienbestände zu verkaufen, würde dies zusätzlichen Abwärtsdruck erzeugen. Ein Risiko, das wir sehr genau beobachten.

Wir haben Mitte bis Ende Februar 2026 – noch vor Ausbruch des Konflikts – auf Basis unserer bewährten Momentum-Modelle die Aktienquoten in unseren Portfolios markant reduziert. Diese vorausschauende Massnahme hat unsere Investoren vor erheblichen Verlusten geschützt.

Aktuelle Liquiditätssituation in unseren Portfolios:

Portfolio Liquidität
NextGenTec Portfolio 90%
Innovation Portfolio 80%
Green Tech Portfolio 74%
Green Tech ESG Equity Fonds 74%
Hydrogen Portfolio   5%

Für das weitere taktische Vorgehen gelten zwei klare Leitplanken:

A) Solange die Strasse von Hormus gesperrt bleibt – äusserste Vorsicht
Eine faktische Schliessung der Strasse von Hormus, durch die rund 20% des weltweiten Ölhandels fliesst, entspricht in ihren wirtschaftlichen Auswirkungen einem vollständigen Ausfall dieser Produktionskapazitäten. Unter diesen Bedingungen bleibt eine defensive Positionierung naheliegend.
B) Signale unserer Momentum-Modelle abwarten
Unsere quantitativen Modelle haben sich in der Vergangenheit wiederholt in der Praxis bewährt – zuletzt durch die rechtzeitige Reduktion der Aktienquoten vor Kriegsausbruch. Wir werden erst dann neue Positionen aufbauen, wenn diese Modelle klare Kaufsignale generieren.
Die hohe Liquidität in unseren Portfolios ist kein Zufall, sondern Ergebnis disziplinierter Risikosteuerung. Sie versetzt uns in eine ausgezeichnete Ausgangslage: Sobald das Momentum dreht – sei es durch eine diplomatische Einigung oder eine Wiedereröffnung der Strasse von Hormus – können wir entschlossen und gezielt Positionen aufbauen und von der dann einsetzenden Gegenbewegung profitieren.

Die Geschichte zeigt: Wer in geopolitischen Krisen Liquidität bewahrt hat, kann beim Umschwung überproportional partizipieren. Diese Chance wollen wir konsequent nutzen.

Die aktuelle Krise im Mittleren Osten illustriert eindrücklich, wie verwundbar die Weltwirtschaft durch fossile Energieabhängigkeit und geopolitische Engpässe ist. Die IEA bezeichnet die Situation als «grösste globale Energie- und Ernährungssicherheitskrise der Geschichte».

Unser Hydrogen Portfolio und unser Green Tech Portfolio sind in diesem Umfeld hervorragend positioniert: Sie repräsentieren genau jene Technologien, die strukturell zur Lösung dieser Abhängigkeiten beitragen – und die durch die aktuelle Krise langfristig noch stärker in den Fokus von Regierungen, Industrie und Investoren rücken werden.

Energiesicherheit durch Dekarbonisierung ist eine geopolitische Notwendigkeit.

Wir halten Sie laufend auf dem Laufenden und stehen für Rückfragen gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüssen

Daniel Brühwiler

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